Fibro-Myalgie-Syndrom 
(FMS)

Das Fibro-Myalgie-Syndrom wird häufig mit den Buchstaben FMS abgekürzt.

Der Begriff

Fibro bedeutet Faser und Myalgie Muskelschmerz. Unter Syndrom versteht man ein stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen einhergehendes Krankheitsbild, meist unbekannter oder vieldeutiger Ursache. Demnach liegen beim Schmerzen im Muskel und der zugehörigen Sehnen bzw. Sehnenansätze vor.

Das Fibro-Myalgie-Syndrom (FMS) ist eine chronische, nicht-entzündliche Schmerzerkrankung und darf nicht mit Rheuma verwechselt werden, was sogar gar nicht so selten Ärzten passiert.

Wie häufig kommt das Fibro-Myalgie-Syndrom vor ?

Nach einer Studie in den Vereinigten Staaten leiden dort ca. 2% unter dieser Schmerzkrankheit. Umgerechnet auf Deutschland wären dies etwa 1,5 Millionen Fälle. Frauen sind 5-10 mal häufiger betroffen als Männer.

Wie viele Menschen leiden unter Fi bromyalgie?
Laut einer der US-Regierung vorliegenden Studie haben 2% der Bevölkerung eine gesicherte Diagnose Fibromyalg ie. Auf Deutschland bezogen sind dies mindestens 1,6 Millionen Betroffene. Anderen Schätzungen nach sollen sogar 3-5 % der Bevölkerung betroffen sein. In erster Linie findet man darunter Frauen im gebärfähigen Alter, aber auch Kinder ( ab dem 4. Lebensjahr ) und Senioren (auch über das 65. Lebensjahr hinaus !). Das Verhältnis Frauen zu Männern ist 9:1. Das Fibro-Myalgie-Syndrom (FMS) ist auch nicht auf bestimmte soziologische und ethnische Gruppen sowie Rassen beschränkt.

Leider ist es auch heute noch so, daß das Fibro-Myalgie-Syndrom von nicht wenigen Ärzten als eine Art "psychische Störung" aufgefaßt wird, sofern die Schmerzkrankheit überhaupt erkannt wird. Nicht wenige Krankenkassen und auch Rentenversicherung schicken diese Patienten, leider oft auch noch mit Unterstützung des  medizinischen Dienstes bzw. der beratenden Ärzte deshalb in psychosomatische Kliniken. Die betroffenen Patienten fühlen sich zurecht nicht ernst genommen, hilfreiche Maßnahmen, so z.B. die Behandlung in einer diesbezüglich erfahrenen und für diese Krankheit auch zuständigen Schmerzklinik, unterbleiben. Die Rechtsprechung hat diese Problem mittlerweile erkannt, Hier gelangen Sie zu einem Sozialgerichtsurteil, mit dessen Hilfe auch Sie Ihre Rechte durchsetzen können. Die entsprechende Pressmitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik

Diese Seite soll dazu beitragen, das Fibro-Myalgie-Syndrom möglichst frühzeitig zu erkennen, damit die betroffenen Patienten rasch einer adäquaten Therapie zugeführt werden können und damit meinen wir die Spezielle Schmerztherapie

Das Fibro-Myalgie-Syndrom ist durch eine Vielzahl diffuser, breitflächiger, spontan schmerzhafter Regionen mit wechselnden "rheuma tischen" Beschwerden im muskuloskelettalen (= Muskeln und Skelett betreffenden) System bei insgesamt deutlich erniedrigter Schmerz schwelle gekennzeichnet.

Das Fibro-Myalgie-Syndrom kann mit folgenden Symptomen (= Krankheitszeichen) einhergehen:
(Quelle: Prof. Dr. W. Müller, Prof. Dr. Wolfe, Prof. Dr. P.A. Berg)

Tender-Points (= Schmerzdruckpunkte) 90,1-100 %
Myalgien (= Muskelschmerzen) 80-97,6 %
Hyperhidrosis (= krankhaft vermehrt Schweißbildung) 76 %
Morgensteifigkeit 67-77 %
Arthralgien (= Gelenkschmerzen) 60 %
Unverträglichkeitsreaktionen / Allergien 60 %
Kopfschmerzen / Migräne 52,8-95 %
Depressionen 31,5-51 %
Chronische Müdigkeit 50-81,4 %
Kolon irritabile (= Reizdarmsyndrom) 29,6-40 %
Dysmenorrhoe (= schmerzhafte Regelblutungen) 40 %
Subjektive Schwellungen 38 %
Schlafstörungen / fehlende Tiefschlafphase 74,6-92 %
Konzentrationsschwäche 32 %
Abgeschlagenheitsgefühl 32 %
Schwindelgefühl 27 %
Parästhesie n (= Kribbeln, Prickeln, Taubsein) 21-62,8 %
Ekchymosen (= kleine fleckige Blutungen / blaue Flecken) 20 %
Sicca-Symptome (= Trockenheit der Schleimhäute) 35,8-77 %
Subfebrile Temperaturen (37,1 – 38,0°) 11 %
Blasenschmerzen bei Reizblase 10-26,3 %
Raynaud Syndrom (= Durchblutungsstörung der Hände u. Füße) 15-16,7 %
Tachykardie/Arrhythmie (= erhöhte bzw. unregelm. Herzfrequenz) 24-50 %

Hinzuzufügen wären noch das Restless legs-Syndrom (= unruhige Beine), das bei ca. 40% unserer Patienten vorlag. Erwähnenswert ist noch eine neuroendokrine Dystonie (= Drüsen- und Nervenstörungen) (Hoerster 1997).

Der Symptomkomplex "Müdigkeit" zeichnet sich aus durch: Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen Streß mit rascher Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringere Belastbarkeit, Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung. 
Die Schlafstörung betrifft besonders die Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase), verursacht ein Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen Schlaf. 
Depressionen und andere psychische Störungen kommen vor; häufige Kombination von emotionalem und psychischem Dys streß.

Regelmäßig finden sich beim Fibro-Myalgie-Syndrom (FMS) druckschmerzhafte Punkte an 18 (2x9) definierten Stellen (Tender points):

Umgekehrt gibt es beim Fibro-Myalgie-Syndrom 13 (1+2x6) nicht druckschmerzhafte Kontrollpunkte:

In der Regel können beim primären Fibro-Myalgie-Syndrom keine Organerkrankungen aufgedeckt werden, die Röntgenbefunde sind normal, ebenso die Laborwerte (Entzündungsparameter, Diff. Blutbild, Rheumaserologie, Immunglobuline und Muskel enzyme). In 30-70% sind die Antikörper gegen Serotonin, Phospholipide, Ganglioside und Nukleoli positiv. Die Muskel biopsie (= mikroskopische Gewebeuntersuchung) ist unauffällig. 

Die Komplexität der Symptome beim Fibro-Myalgie-Syndrom (FMS) läßt großen Spielraum für differentialdiagnostische Erwägungen (= was außer Fibro-Myalgie-Syndrom sonst noch an Krankheiten in Betracht kommen könnte):

Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) des Fibro-Myalgie-Syndrom s sind noch unbekannt und führen zu kontroversen Spekulationen. 
Die Tatsache, daß bei vielen dieser Patienten keine psychologischen Besonderheiten nachzuweisen sind, spricht nach Wolfe (1984) gegen eine primär psychogenetische (= in der Psyche begründete) Erklärung des Fibro-Myalgie-Syndrom s. Die psychischen Besonderheiten bei einer Reihe von Patienten könnten auch sekundär durch den Krankheitsverlauf aufgetreten sein. Nicht selten bestehen Partnerschaftskonflikte (Hansen 1991).
Differentialdiagnostisch (= was außer einem Fibro-Myalgie-Syndrom sonst noch in Betracht kommen könnte) ist zu bedenken, daß sich hinter einer scheinbar monokausalen Panalgesie (= durch 1 Krankheit verursachter Ganzkörperschmerz) auch ein psychisch verursachtes Schmerzsyndrom verbergen kann.

Therapie bei Fibro-Myalgie-Syndrom
Das komplexe Beschwerdebild des Fibro-Myalgie-Syndrom s erfordert eine stationäre interdisziplinäre, multimodale (= mehrere Maßnahmen beinhaltende) Therapie im Rahmen der "speziellen Schmerztherapie" in einer Schmerzklinik
Bei multikausaler Genese (= durch verschiedene Krankheiten verursachte Entwicklung) der Pana lgesie werden die einzelnen Schmerzbilder entsprechend ihrer Dominanz behandelt. Da in der Regel die Schmerzschwelle herabgesetzt ist, ist eine begleitende schmerzdistanzierende Medikation mit einem tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum (z.B. Doxepin, Maprotilin), evtl. vorübergehend auch in Kombination mit einem Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) sinnvoll. Ganz wichtig ist, daß der Patient über denn Sinn dieser Medikation genau aufgeklärt wir, daß nämlich bestimme Antidepressiva eben auch nachweislich schmerzlindernd wirken, weil er sich sonst nämlich wieder in die "psychische Ecke" gedrängt fühlt.
Hilfreich ist beim Fibro-Myalgie-Syndrom auch eine initiale (= am Anfang, als erstes) 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl (Dominal forte ® ).

Zunächst sollte der Patient über die prinzipiell gutartige Natur der Schmerzerkrankung aufgeklärt werden, wobei aber mögliche Folgen einer Chronizität (psychosoziale Aspekte, Risiken einer ständigen Medikamenteneinnahme) nicht verschwiegen werden sollten. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient kann den bis dahin unbefriedigenden Verlauf durchbrechen. Es ist aber auch zu bedenken, daß weitere erfolglose Therapieversuche erneut zu Enttäuschungen führen können, die einer weiteren Chronifizierung Vorschub leisten.

Desweiteren ist ein therapeutisches Vorgehen erforderlich, das den multifaktoriellen Ursprung des Fibro-Myalgie-Syndrom s berücksichtigt. Dazu gehört insbesondere eine begleitende psychologische Schmerzbehandlung, die zu einer Verbesserung der Schmerzverarbeitung bzw. Erhöhung der Schmerztoleranz beiträgt. 
Eine schmerzdistanzierende, antidepressive Behandlung sollte bei Patienten mit einem Fibro-Myalgie-Syndrom frühzeitig eingesetzt werden, zumal damit auch eine Besserung der häufig bestehenden Schlafstörungen zu erreichen ist. 
Periphere Analgetika (= Schmerzmittel) können versucht werden, überwiegend ist damit jedoch keine zufriedenstellende Schmerzreduktion zu erreichen. Auch der Einsatz von Opioiden (z.B. Morphium) ist oftmals enttäuschend. Eher sahen wir eine positive Wirkung bei Verabreichung von Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln), vor allem Tolperison (Mydocalm®). Alternativ kann Baclofen (z.B. Lioresal®) verordnet werden. 
Auch die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form einer Triggerpunkt-Behandlung (= Behandlung von umschriebenen Reizzonen), Infiltrationen besonders schmerzhafter Körperbereiche, aber auch Nervenbetäubungen, falls notwendig sogar kontinuierlich mit Katheter (= eingepflanztem Kunststoffschlauch), ist beim Fibro-Myalgie-Syndrom oftmals hilfreich. Bei Vorliegen einer sympathischen Überaktivität sind epidurale (= rückenmarknahe) oder periphere Sympathikusblockaden (= das vegetative Nervensystem betreffende Blockaden), auch kontinuierlich mit Katheter, erfolgversprechend.
 
Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen
(u.a. Krankengymnastik) werden im Anfangsstadium des Fibro-Myalgie-Syndrom s meist als angenehm empfunden und steigern damit das körperliche Wohlbefinden. Sie sollen dazu beitragen, den Patienten mehr Vertrauen zum eigenen Körper zu vermitteln und die Mobilität zu steigern. Werden z.B. nur Massagen verordnet, besteht die Gefahr, daß sich passive Tendenzen im Krankheitsverlauf verstärken. Ohnehin sind die üblichen Massagebehandlungen (Ausnahme: Spezialmassagen wie. z.B. Bindegewebsmassagen oder Lymphdrainagen) aus schmerztherapeutischer Sicht völlig entbehrlich und werden von uns auch nicht mehr verordnet.
Erwähnt sei noch die Wärmekammer, die bei manchen Patienten mit einem Fibro-Myalgie-Syndrom (FMS) zu einer deutlichen Beschwerdereduktion führt.

Bei einem fortgeschrittenen Fibro-Myalgie-Syndrom ist die notwendige krankengymnastische Therapie meist schmerzbedingt nicht oder nur sehr eingeschränkt durchführbar, so daß übliche Rehabilitationsbehandlungen mit dem Schwerpunkt "Physiotherapie" zwar nicht umsonst, in aller Regel aber vergeblich sind. Der große Vorteil einer gezielten Schmerzrehabilitation ist der, daß den krankengymnastischen Beübungen jeweils eine intensive ärztliche Behandlung vorgeschaltet werden kann. Mit der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) läßt sich die Schmerzempfindung deutlich herabsetzen, so daß dann eine sinnvolle Krankengymnastik erfolgen kann.

Nur die konsequente Durchführung der genannten Therapiemaßnahmen im Rahmen der speziellen Schmerztherapie kann beim Fibro-Myalgie-Syndrom (FMS) eine, manchmal sogar sehr eindrucksvolle Beschwerdelinderung bewirken.

Aktualisiert: 20.06.06 k u
A
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